Petition „NEIN zur Digitalen Kita! JA zu konstruktiven Bildungsinvestitionen!“

Quelle: fotolia, Patryk Kosmider

 

Die Petition „NEIN zur Digitalen Kita! JA zu konstruktiven Bildungsinvestitionen!“ wurde bislang von mehr als 30.000 Befürwortern unterzeichnet. Die Petition wurde unter Mitwirkung von Dr. Michaela Glöckler und Prof. Dr. Manfred Spitzer im November 2016 gestartet. Sie ruft zum Schutz der Kindheit sowie zu konstruktiven Bildungsinvestitionen im Bereich der Elementarpädagogik auf.

Es ist eine stattliche Lobby: Etliche Verlage, TV-Sender, die IT-Industrie, IT-Verbände, Wissenschaftler und die Politik setzen als Allheilmittel verstärkt auf Bildung mit digitalen Medien – am besten so früh wie möglich. Wollen die einen Hard- und Software verkaufen, fürchten die anderen, den Anschluss im globalen Wettbewerb zu verlieren. Und manche Eltern fürchten, ihre Sprösslinge hätten keine Chance im (beruflichen) Leben, wenn nicht schon in der Kita der Umgang mit digitalen Medien gelehrt würde. Kluge Pädagogen halten dagegen. Sie fordern strikt einen altersadäquaten Umgang mit digitalen Medien. Denn es ist nirgendwo erwiesen, dass der frühe Umgang mit digitalen Endgeräten die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen steigert. Das Gegenteil ist der Fall. Es gehört zu den wichtigsten Erkenntnissen aus der Gehirnforschung der vergangenen Jahrzehnte, dass Kinder Geschicklichkeit, Laufen, Sprechen und Denken am besten durch Eigenaktivität lernen – durch Versuch und Irrtum, durch freies Spielen, durch Nachahmung im direkten Kontakt mit anderen, durch sinnhafte Erfahrungen in der Welt. Menschliches Lernen ist mit nachhaltiger Wirkung insbesondere in diesem jungen Lebensalter nur über sinnlich reale Erfahrungen und an die menschliche Begegnung geknüpfte Beziehungen möglich.

Freispiel im Wald / Quelle: t. posavec

Die Vereinigung der Waldorfkindergärten setzt sich aktiv dafür ein, dass der digitale „Hype“ die Kinder in Kindertagesstätten in Deutschland möglichst nicht erreicht. Wir setzen uns dafür ein, dass Kindheit gelebt werden kann, wir wollen Kindheit schützen. Wir setzen uns dafür ein, dass das Elternwahlrecht für Kindertagesstätten erhalten bleibt, dass keine Kita und keine Krippe durch Bildungspläne oder andere Verordnungen digitalisiert werden muss, sondern dass kindgerechte Räume erhalten bleiben und ausgebaut werden. Wir unterstützen und impulsieren Fortbildungen für Erzieherinnen und Erzieher, die das Thema Medienkompetenz sowie Prävention zu problematischen Bildschirmeinwirkungen bis hin zur digitalen Sucht bearbeiten. Wir wollen darüber mit Eltern beratend ins Gespräch kommen.

Quelle: fotolia, Kristin Gründler

Wir unterstützen die Qualitätsoffensive der Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig für einen besseren Fachkraft-Kind-Schlüssel in den Kindertagesstätten. Denn Beziehung ist essentiell für ein gesundes Heranwachsen der Kinder. Wir wollen Frau Manuela Schwesig allerdings auch darauf hinweisen, dass sie nicht den Rufen und Verlockungen der IT-Industrie erliegen darf, die in Aussicht gestellten Bundesmittel für die Digitalisierung von Krippen- und Kindergartengruppen zu verwenden, so wie es ihre Kollegin Frau Bundeskultusministerin Johanna Wanka bereits für den Schulbereich verordnet hat.

Dazu brauchen wir Ihre Unterstützung liebe Leserinnen und Leser! Je mehr wir sind, umso stärker wird unser Einfluss auf die Politik sein können. Unterzeichnen Sie daher bitte die Petition „NEIN zur Digitalen Kita! JA zu konstruktiven Bildungsinvestitionen!“. Leiten Sie diesen Newsletter an Ihre Freunde und Bekannte weiter und ermuntern sie diese zur Unterschrift. Sie finden die Petition und weitere Informationen unter  https://www.openpetition.de/petition/online/digital-kita-nein-ja-zu-konstruktiven-bildungsinvestitionen. Der Volltext mit Hinweisen auf Studien aus Forschung und Wissenschaft ist auf unserer Website zu finden unter "Aktuelles".

 

Vielen Dank!

Michael Wetenkamp

 

 

 

 

Lebenskompetenz statt Medienkompetenz oder Der Mehrwert der Waldorfpädagogik im digitalen Zeitalter

Quelle: fotolia / Q

 

Die kleine, zierliche Frau vor der Beamer-Leinwand überhäuft die ca. 200 Teilnehmenden der Veranstaltung „Digitale Medien in der Kita“ im Rahmen der Bildungsmesse didacta in Stuttgart während 60 Minuten mit einer Fülle von Fakten zum Thema. Der Aktionstag möchte „Lust machen auf einen reflektierten Umgang mit digitalen Medien in der Kita“. Eva Reichardt-Garschhammer vom bayrischen Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) plädiert für einen frühzeitigen Prozess des Medienkompetenzerwerbs ab dem zweiten Lebensjahr. Mit sträuben sich die Haare, und ich denke nur, wo bleibt da unsere Waldorfpädagogik? Sind wir falsche Romantiker oder Kulturpessimisten und hoffnungslose Nostalgiker?

Auf der didacta

Das Internet hat unsere Lebenswelt so drastisch verändert wie einst der Buchdruck. Mit dem „Internet der Dinge“ (selbstfahrende Autos, WLAN-fähiges Spielzeug im Kinderzimmer) haben wir die Digitalisierung auf allen Ebenen erreicht. Der kompetente Umgang mit den digitalen Medien ist als vierte Kulturtechnik neben Lesen, Schreiben und Rechnen anerkannt. Ein gutes Aufwachsen mit Medien gehört zur Liste der UN-Kinderrechte!

Sicherlich, das Internet geht nicht mehr weg! Durch Touchscreen und Symbolsteuerung wird der Nutzung der Technik in allen Altersstufen Tür und Tor geöffnet. Besonders Familien mit heute 2-5 jährigen Kindern zählen als Nutzer zum Kreis der „Digital Natives“. Aber gerade vor der Verwendung dieses Begriffes warnt die Referentin! Kinder bräuchten Begleitung, wenn sie Kompetenz erwerben und die digitalen Medien handhaben wollen, vergleichbar dem Umgang mit einem scharfen Küchenmesser beim Schneiden von Rohkost oder der Teilnahme am Straßenverkehr beim Fahrradfahren. Sie bräuchten Vorbilder, man müsse offen mit ihnen über die Risiken sprechen. Die Sicherheit und Auswahl der kindgerechten Medien, sowie klare Absprache und Einhaltung von Nutzungszeiten lägen in der Verantwortung der Erwachsenen.

Eindrucksvoll werden von der Referentin die Chancen der digitalen Medien dargestellt. Sie seien ein Segen für den Bereich der Inklusion, in der heilpädagogischen Frühförderung wie auch bei der Integration von Flüchtlingen, die auf das „Willkommens-ABC“ und mehrsprachige Bilderbuch Apps zugreifen können. Eine Chance also für die Bildungsgleichheit? Als ergänzendes, kreativ nutzbares Werkzeug erweitere es die pädagogischen Gestaltungsmöglichkeiten – wo bleiben wir da mit Wolle, Knetwachs, Holz und Aquarellfarben? Dank der neuen Medien ginge das jetzt virtuell, sauber und pflegeleicht?

Vortrag Wolfgang Sassmannshausen
Auf der didacta

Der Bereich der Familienbildung und des Informationsflusses (Bildungsdokumentation digital und online inklusive) für Eltern wurde als ein weiteres Feld der Chancenerweiterung dargestellt.

Klar war für Frau Garschhammer: Es besteht ein gigantischer Fortbildungsbedarf der Fachkräfte, die sich größtenteils – man höre und staune – gegen die Digitalisierung des Gruppenlebens stellen und überwiegend auf dem Standpunkt stehen, die duale Beziehung zwischen Erwachsenen und Kind sei immer noch die wertvollste Bildungsstrategie in der frühen Kindheit. Ich lehne mich aufseufzend zurück ... also sind wir mit unserer Meinung doch nicht ganz allein! Aber gleich geht’s weiter mit Blended-Learning, Online-Angeboten für Kitamanagement und „Open Access“, intelligenten Plattformen für Lern- und Qualifizierungsangebote „nicht nur für Erwachsene“. Angestrebt wird ein „BildungsplanPLUS“, der das Lernen im digitalen Wandel vorantreibt.

Wie sagt Frau Garschhammer? „Technik allein schafft noch keine Pädagogik!“ – aber auch: „Wenn Eltern dagegen sind, dann muss man da durchgehen!“

Kein Wort von kindlicher Entwicklung oder gesunder Leiblichkeit. Natur wird mittels Tablet dokumentiert und per Beamer wird die gesamte Kindergartengruppe einbezogen.

Und so lernt man digitale Kompetenz! Kein Wort über pädagogisch-fundierte Hintergründe! Kein Wort zu den massiven wirtschaftlichen Interessen, die dahinter stehen!

Auf der didacta

Als ich die Veranstaltung verlasse, fühle ich mich beklommen. Ist das das Ende der Waldorfpädagogik? Leisten wir uns eine alternative Pädagogik auf der Grundlage einer realitätsflüchtenden Anhängerschaft, oder gelingt es uns, Eltern und Wissenschaft vom Mehrwert der Waldorfpädagogik zu überzeugen? Geht es nicht darum, das Kind in den ersten sieben Lebensjahren die reale Welt erfahren und begreifen zu lassen, damit es sich in das einleben kann, was Menschsein wesentlich ausmacht, und es im späteren Leben über die Werterkennung und Verbundenheit mit der Natur und unseren Lebensprozessen selbstbestimmt, verantwortlich und zukunftsfähig handeln kann?! Ich bin mir sicher, dass die Waldorfpädagogik mit ihrem salutogenetischen Ansatz einer gesunden Leiblichkeit und Lebenstüchtigkeit auf virtuelle Medien, die immer nur das Bild einer modularisierten Wirklichkeit vermitteln, verzichten kann und dennoch oder gerade deshalb den heranwachsenden Menschen befähigt, die nötigen Kompetenzen zur Nutzung dieses Instrumentes zu entwickeln, wenn er dafür reif genug ist.

Frau Garschhammer verweist auf wenige Forschungsergebnisse zur Nutzung digitaler Medien im Bereich der Frühen Kindheit, Herr E. Fthenakis sieht, in die Zukunft geschaut, die „Akteur-Netzwerk-Theorie“ als ebenso relevant für die Entwicklung des Sozialen wie die zwischenmenschliche Interaktion.

Wenn wir in der Waldorfpädagogik vom Raum als dem dritten Pädagogen sprechen, ist das so gemeint und uns nicht fremd. Neu sei nun die Komponente der Technologie, die mit einbezogen werden solle, weil sie Vernetzung ermögliche über die Puppenecke, den Gruppenraum, die eigene Einrichtung hinaus mit Einrichtungen und Kindern in der ganzen Welt! Mir schwirrt der Kopf. Das kann ich einfach nicht denken, aber für die jungen Eltern, die heute die Entscheidung für den richtigen Kindergarten ihres Kindes selbstverständlich online suchen, sich online anmelden und per WhatsApp in der Elterngruppe kommunizieren, klingt das vielleicht gar nicht so abwegig.

Es gilt also Bewusstsein zu entwickeln, über Risiken aufzuklären und die Eltern zu stärken. In meiner Kindergartengruppe der Zukunft wird nach wie vor kein Tablet den Maltisch und keine Power Point Präsentation vom Wandertag das Puppenspiel im Märchenkreis ersetzen. Das hat nichts mit Nostalgie zu tun sondern mit Individualität, Intelligenz und lebenspraktischen Grundlagen.

 

Dagmar Scharfenberg

 

 

 

 

„Vom Kinde lernen“ Die Vereinigung der Waldorfkindergärten feiert den 100. Geburtstag ihres Gründers

Helmut von Kügelgen

 

Anlässlich des 100. Geburtstages ihres Gründers Helmut von Kügelgen hatte die Vereinigung der Waldorfkindergärten für den 19. November unter dem Motto „Recht auf Kindheit! Die Verantwortung liegt bei uns“ zum Kongress nach Hannover eingeladen. Als Pädagoge und Journalist –  von Kügelgen war Waldorflehrer in Stuttgart und seit 1948 Schriftleiter der Erziehungskunst – setzte er Impulse für die Bewegung der Waldorfkindergärten, die auch heute noch richtungsweisend sind.

Etwa 600 Gäste und TeilnehmerInnen füllten die Eilenriedehalle im Congress Center Hannover. Der Journalist und Fernsehmoderator Markus Brock moderierte die Veranstaltung. Beim Festakt am Vormittag war die Familie Kügelgen durch drei der Töchter – Elisabeth von Kügelgen, Angelika Fried und Michaela Glöckler – sowie einen Enkel, Martin McKeen, vertreten. Klavierspiel und Gedichte von Helmut von Kügelgen rahmten die Grußworte der Gratulanten.

Michael Wetenkamp, Vorstand der Vereinigung der Waldorfkindergärten
Beate Wohlgemuth, Vorstand der Vereinigung der Waldorfkindergärten
Oliver Langscheid, Geschäftsführer
Dagmar Scharfenberg, Vorstand der V.d.W.
Dr. Michaela Glöckler

Die Gründung der Vereinigung der Waldorfkindergärten 1969 war Antwort auf eine Zeit politischer und gesellschaftlicher Unruhen. Ihre zentrale Intention war und ist der Schutz des kleinen Kindes, die Wahrung und Entfaltung seiner Individualität. „Es geht nicht um methodische Systeme, vorgeprägte Programme und die Zwangsvollstreckung ihrer Erfolge – es geht darum, Leben zu erwecken, die Geburt der Individualität in einem gesunden Leib, in einer gesunden Seele vorzubereiten“ – so zitierte Michael Wetenkamp, Vorstand der Vereinigung, den Gründer Helmut von Kügelgen. Gegen Frühintellektualisierung, Früheinschulung und Medienkonsum setzte die Bewegung den Schutzraum, in dem die „Fähigkeit zur Selbstbefähigung“, die das kleine Kind – so Michaela Glöckler – in die Welt mitbringe, bewahrt bleibe. Die Kindergartenzeit – so Wolfgang Sassmannshausen – dürfe nicht als eine Vorbereitung auf die Schule verstanden werden. Im Zentrum der Kindergartenpädagogik stehe der Umgang mit den Lebenskräften: Die Frage, was das kleine Kind brauche, könne nur durch ein stetes ehrliches selbständiges Ringen beantwortet werden. Dieses Anliegen Helmut von Kügelgens müsse auch heute wieder stark gemacht werden.

Von links: Moderator Markus Brock, Petra Thal – Fachberaterin NRW, Jochen Neumann – Vereinigung Hessen, Kristin von Bleichert-Krüger – Beraterin NRW
Jean-Claude Lin – Verlagsleiter

Weltweit gibt es 2000 Waldorfkindergärten. In den asiatischen Ländern wie etwa China und Südkorea ist derzeit ein Boom der Waldorfpädagogik zu verzeichnen. Individuelle Freiheit und gesellschaftlicher Anpassungsdruck: Immer mehr Eltern möchten ihre Kinder vor dem Zugriff starrer Anforderungen und rigider Zwänge bewahren. Wie aber kann das gelingen, ohne sich gesellschaftliche zu isolieren?

Philipp Reupke – Vorstand IASWECE
Johannes Stüttgen

Die Vorträge am Nachmittag öffneten den Horizont in verschiedene Richtungen. Johannes Stüttgen buchstabierte in seinem Vortrag „Das Kind das geboren will“ persönliche Biografie als künstlerischen Prozess, der einer inneren Notwendigkeit aber keinem vorgegebenen Ziel folge, und Freiheit entsprechend als einen Zustand der Potenzialität, der gegenwärtig neu begriffen werden müsse und könne. „Ein Werdender bleiben“ – dieses Motto ihres Vaters Helmut von Kügelgen nahm Michaela Glöckler als Ausgangspunkt ihres Vortrages über die „Bedingungen für eine gesunde Kindheit“ aus Sicht der langjährigen Kinderärztin und Leiterin der Medizinischen Sektion am Goetheanum in Dornach/Schweiz. Manfred Spitzer rundete die Reihe der Vorträge mit einem abendfüllenden Beitrag zum Thema „Digitale Kindergärten? Warum digitale Medien im Kindergartenalter besonders schaden“ ab, auf den im Hinblick auf den geplanten „Digital-Pakt“ von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka eine längere Podiumsdiskussion folgte. Die Vereinigung der Waldorfkindergärten hat ein Memorandum zum Schutz des kleinen Kindes verfassen, das über die Homepage der Vereinigung www.waldorfkindergarten.de abrufbar ist und verbreitet werden kann. 

Silke Kirch

 

 

 

„Warum kommen diese Leute aus Deutschland, um unseren Kindern zu helfen?“

Notfallpädagogik im Nordirak aus der Sicht eines lokalen Mitarbeiters

 

Am vergangenen Wochenende ging der 13. Einsatz der Freunde der Erziehungskunst im Nordirak zu Ende. In den Flüchtlingscamps werden seit 2015 lokale Fachkräfte kontinuierlich aus- und weitergebildet. Es wird vor allem Wert darauf gelegt, dass die Mitarbeiter selbstständiger in ihrer Arbeit werden und tiefer in die Prinzipien und Methoden der traumapädagogischen Arbeit einsteigen.

Einer dieser lokalen Mitarbeiter ist Hameed Jirdo Murad. Seit nun bereits zwei Jahren arbeitet er für die Friends of Waldorf Education (FWE), wie die Freunde der Erziehungskunst im Irak heißen.

Hameed Jirdo Murat

Damals beobachtete er, wie ein internationales Team gemeinsam mit lokalen Freiwilligen Spiele, Kunst und kreative Aktivitäten für die zahllosen, im Lager umherschweifenden Kinder anbot.

Er habe sich gefragt: „Warum kommen diese Leute aus Deutschland, um unseren Kindern zu helfen?“.

Als es zu Koordinationsschwierigkeiten zwischen den deutschen Mitarbeitern und dem lokalen Camp Management kam, bot Hameed seine Hilfe an und sprang als Übersetzer ein. Schnell wurde deutlich, dass er mit seiner menschlichen Wärme, Neugier und Offenheit viel mehr als nur hilfreiche Englischkenntnisse mitbringt. 

Jeden Tag hilft Hameed nun, ein Stück sicheren Ort für die Kinder zu bauen.

Er erfreut sich an dem sozialen Umfeld, das durch die Arbeit in den Teams und mit den Menschen rund um das Kinderschutzzentrum im Flüchtlingslager entsteht. In der Ausbildung, die in regelmäßigen Einsätzen von deutschen und internationalen PädagogInnen, TherapeutInnen und medizinisch ausgebildeten Personen zur Notfall- und Traumapädagogik durchgeführt wird, habe er neben den Methoden und dem Fachwissen vor allem gelernt, wie wichtig Geduld und Ruhe in der Arbeit mit betroffenen Kindern sei. Nur so könne man ihnen den notwendigen Raum geben, damit „sie ihr Herz wieder öffnen“ können, erzählt er. Doch ausgelernt habe er noch nicht, die Arbeit mit den Einsatzteams sei immer wieder ein neuer Gewinn. Das neuerworbene Wissen setzt er in der Arbeit mit den Kindern um und gewinnt zunehmend an pädagogischem Geschick.

Wenn Hameed nicht in dem Kinderschutzzentrum im Flüchtlingslager arbeitet, lädt er oft Kinder zu sich in sein Zelt ein oder sucht sie in ihren Familie auf, um gemeinsam mit ihnen zu malen. Er staunt immer wieder aufs Neue über die vielen gemalten Bilder, in denen die Kinder ihre eigenen Geschichten, Gedanken und Träume erzählen. Dank der Ausbildung in einfachen kunsttherapeutischen Methoden weiß er das Malen bewusster anzuleiten und die Bilder besser zu verstehen.

Hameed erzählt, dass er dankbar für die Arbeit sei, weil er dadurch seine Familie mit warmem Essen versorgen kann. Er wolle nicht reich werden, betont er, aber die Familie soll gut versorgt sein und das Nötigste für ein Leben in Würde besitzen. Die Arbeit mit FWE ist nicht nur eine kleine Einnahmequelle für Hameed, sondern gibt ihm vor allem die Möglichkeit, Kindern in der schweren Lebenssituation, in der er selbst lebt,  ein heilendes Umfeld zu schaffen in dem sie wieder ein Stück Freude erfahren können.

 

 

Spendenkonto

GLS Bank Bochum BLZ 430 609 67 Konto 800 800 700
IBAN DE06 4306 0967 0800 8007 00
BIC GENODEM1GLS Stichwort "Notfallpädagogik"

 

Kontakt Presse:

Reta Lüscher-Rieger
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Notfallpädagogik
Tel.: 0721-354806 140

Fax: 0721-354806 180
E-Mail: r.luescher-rieger@freunde-waldorf.de
Webseite: www.freunde-waldorf.de

 

Die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. fördern weltweit Initiativen eines freien Bildungswesens. Seit 1971 setzen sie sich für die Waldorfpädagogik und für Freiheit im Bildungswesen ein. Seit 1993 organisiert und betreut das Büro in Karlsruhe internationale Freiwilligendienste in aller Welt und ermöglichte bislang über 20.000 Menschen einen sozialen Dienst in über 350 Projekten in mehr als 60 Ländern. Zurzeit nehmen jährlich fast 2.000 junge Menschen an den Programmen teil. Seit Sommer 2011 können Interessierte über den Verein auch einen 12-monatigen Freiwilligendienst in anthroposophischen Einrichtungen in Deutschland leisten.

 

Seit 2006 sind die Freunde der Erziehungskunst im Bereich „Notfallpädagogik“ tätig. In Folge von kriegerischen Auseinandersetzungen und Naturkatastrophen arbeiteten sie bislang mit psychotraumatisierten Kindern und Jugendlichen im Libanon (2006), China (2008 und 2013), Indonesien (2009), Haiti (2010), Kirgisistan (2010), Japan (2011) und Kenia (2012 – 2013), Bosnien und Herzegowina (2014), Griechenland (2015), Slowenien (2015), Nepal (2015-2017), Ecuador (2016), Gaza (2009 - 2016), Philippinen (2013-2016), Haiti (2016) und Kurdistan-Irak (seit 2013).

 

 

 

 

REZENSION

"Auferstehung" von Frank Linde

"Auferstehung" von Frank Linde

 

Frank Linde hat es auf sich genommen, den unbearbeiteten Forschungsbericht Rudolf Steiners über die Geschichte des menschlichen Leibes, seine Entstehung, seine Gefährdung und Heilung, systematisch aufzuarbeiten. Zustande gekommen ist eine Monografie zu Rudolf Steiners Verständnis der Auferstehung, die es in dieser Form bisher nicht gegeben hat. Wie bei vielem anderen, zeigt sich auch hier, dass diese Frage nicht untersucht, geschweige denn, beantwortet werden kann, ohne dass das Ganze der Anthroposophie in die Untersuchung mit einbezogen wird.

Autor Frank Linde

Von neuem wird auch an diesem Thema deutlich, dass die Darstellungen der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners, gleichgültig, an welcher Stelle man mit ihnen in Berührung kommt, ein in sich logisches Gewebe komplexer begrifflicher Beziehungen sind, dessen Teile sich gegenseitig stützen, begründen und erläutern. Von welcher Fragestellung man auch ausgeht, man wird durch sie zum Ganzen, in ein Netz selbstevidenter Ideen geführt, die zwar auf vieles eine Antwort geben, aber mit jeder Antwort zugleich neue Fragen aufwerfen. Die Darstellungen der Geisteswissenschaft spannen jedoch nicht nur ein Netz logischer Beziehungen aus, sondern binden in dieses Netz auch eine Fülle von empirischen Beobachtungen ein, in welchen jene Beziehungen verankert sind. Diese Beobachtungen sind zwar nicht logisch deduzierbar, aber logisch begreiflich. Beide zusammen – die Beobachtungen und die zwischen ihnen gestifteten Beziehungen – ergeben erst das erweiterte Wirklichkeitsbild der Anthroposophie. Und diese Erweiterung ist in der Tat geeignet, in die Diskussion über religiöse Themen ein neues wissenschaftliches Paradigma einzuführen, ja diese Diskussion erst zu ermöglichen. Denn sie führt dazu, dass das, was einst absurd erschien, nunmehr als vernünftig erscheint. Die Auferstehung muss nicht mehr geglaubt, sie kann verstanden werden. Damit holt die anthroposophische Geisteswissenschaft die aus der abendländischen Kultur verdrängten Erkenntnisinhalte wieder in diese zurück und vermag diese Kultur, die an der Verdrängung des Metaphysischen leidet, zu heilen.

Lorenzo Ravagli

 

Herausgeber:

Ernst-Michael-Kranich-StiftungMit einem Vorwort von Lorenzo Ravagli
Edition Kunstschrift im Residenz-Verlag, Salzburg 2015
Grafische Gestaltung, Satz und Layout: Karl Lierl
3 Bände im Schuber
Band I und II (zus. 725 Seiten)
Die Auferstehung im Werk Rudolf Steiners
Band III (316 Seiten)
Zeitreisen und Phantom – eine kritische Analyse

 

 

 

 

 

VERANSTALTUNGSHINWEISE

 

Ruhr Congress Bochum

15. bis 18. Juni 2017
SOZIALE ZUKUNFT
Offenheit wagen. Verantwortung leben. Zusammenarbeit gestalten. Unter diesem Motto findet Mitte Juni ein mehrtätiger Kongress in Bochum statt, zu dem anthroposophische Initiativen, Verbände und Organisationen einladen, um die Frage zu bewegen: "Wie sieht eine soziale Zukunft aus, in der wir leben wollen – persönlich, als Organisation oder als Zivilgesellschaft?“

 » mehr

____________________________________________________________________________

28. Sommerakademie Alfter

30. Juli bis 26. August 2017
LEICHT-SINN: KUNST BEFLÜGELT
„Ist leicht seicht? Darf uns etwas leicht von der Hand gehen? Ist der Leichtsinn der Eisbrecher, der den Giganten Schwermut auf Kurs bringt? Sind wir nur dann redlich, wenn wir unter Hochdruck arbeiten? Dürfen wir leichten Sinns denken und handeln?“ Die Ateliers und Studios am Johannishof der Alanus-Hochschule sind geöffnet für schöpferisch suchende und kreativ schaffende Menschen jeden Alters.

 » mehr

____________________________________________________________________________

Alanus Hochschule / Alfter bei Bonn

31. März bis 02. April 2017
TAGE DER OFFENEN TÜR
„Augen.Blick.Mal“ Vom 31.03. bis 02.04. gewährt die Alanus Hochschule Einblicke in ihr vielseitiges Studienprogramm. An beiden Standorten gibt es Führungen durch die Ateliers, aktuelle Bühnenprojekte der Schauspiel- und Eurythmiestudenten, Workshops und Vorträge. Geboten wird zudem Gelegenheit zu Beratung und Gespräch.

Das vollständige Programm finden Sie hier: »

 

 

 

KOLUMNE

 

Maternal Gatekeeping

Quelle: fotolia/ timonko

Maternal Gatekeeping - Fakt oder Hirngespinsts? Sabine Rennefanz mehr » und Jochen König mehr » betrachten das Phänomen.

 

 

 

PRESSESPIEGEL

 

Quelle: fotolia / Daniel Jedzura

Laissez-faire oder autoritäre Erziehung? Worum geht es beim Erziehen? In der Diskussion um den richtigen Beziehungsstil wird mehr und mehr polarisiert.

mehr»

____________________________________________________________________________

Auf dem neuen Gelände von Alnatura in Darmstadt soll ein neuer Waldorfkindergarten entstehen. Anfang März wurde der Grundstein für den "KinderNaturGarten" gelegt, der im Spätsommer 2018 eröffnen soll.

mehr»

____________________________________________________________________________

Monika Manthei arbeitet seit Januar in der Waldorfkita. Quelle: dwa

Eine Qualitätsoffensive der Stadt Flensburg sieht vor, den Personalschlüssel in Kindertagesstätten zu verbessern. Der Waldorfkindergarten hat umgehend gehandelt.

mehr »

____________________________________________________________________________

Zeitenwende im Waldorfkindergarten Marthashofen in Grafrath bei München: Mit dem Umzug in ein neues Gebäude hat das Kollegium die langjährige Leiterin Ursula Messner-Rau verabschiedet.

mehr »

 

____________________________________________________________________________

„Fünf Milliarden Euro hat Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) für die Digitalisierung der Schulen versprochen. Das setzt die Anbieter digitaler Bildungstechnologien unter Druck: Auf der Bildungsmesse Didacta müssten sie jetzt zeigen, was sie können, so der Bildungsexperte Christian Füller.“

____________________________________________________________________________

Paula Bleckmann

Smartphone-Apps und Tablet-Spiele gibt es mittlerweile sogar für Kleinkinder und Babys. Medienpädagogin Paula Bleckmann sieht das kritisch: Es gibt keinen Nachweis für einen positiven Effekt von Bildschirmmedien im Kleinkindalter.

____________________________________________________________________________

Jesper Juul

Jesper Juul ist der Frontmann der Familientherapie – vor allem in Deutschland. Vor vier Jahren ist er schwer erkrankt. Nun hat er wenigstens seine Stimme zurück.

mehr »

____________________________________________________________________________

Waldorfschulen und -kindergärten sind vom 14.-18.02 mit einer Sonderschau und einem vielseitigen Rahmenprogramm auf der Bildungsmesse didacta in Stuttgart vertreten. Eines der zentralen Themen: Medienmündigkeit.

mehr »

____________________________________________________________________________

Quelle: Angela Bötzl

Zur Landschule Bad Boll Eckwälden gehören ein Waldorfkindergarten und eine Jugendfarm. Der Umgang mit Pferden, Reiten und das Füttern von Tieren sind fester Bestandteil des Kindergartenalltags.

____________________________________________________________________________

Liebende bleiben – so der Titel des neuesten Buches von Jesper Juul. Denn das scheint die Kunst zu sein; im hochtourigen Familienalltag gehen Lust und Leidenschaft schnell im Getriebe Alltags unter. Ein Gespräch mit dem Autor.

____________________________________________________________________________

Quelle: Sascha Lotz

Vor bald 30 Jahren wurde in Bensheim ein Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik gegründet. Im Sommer wird der Kindergarten erstmals ein eigenes Gebäude beziehen. Der erste Spatenstich ist unter Mithilfe der Kinder getan.

____________________________________________________________________________

Quelle: Hildegard Wekenborg-Placke

Die Erzieherinnen des Waldorf-Kindergartens in Bramsche, die wegen des hohen Sanierungsbedarfs der Gebäude um den Betrieb der Kita bangen mussten, haben nun einen Trägerverein gegründet. Die Stadt wird das Gebäude voraussichtlich übernehmen.

____________________________________________________________________________

Der Betrieb der Waldorf-Kindertagesstätte in Bramsche ist gefährdet. Der Träger, das Sozialwerk Evinghausen, ist voraussichtlich nicht imstande, die die Kosten für die notwendige Sanierung des Gebäudes aufzubringen. Da die Kindertagesplätze nicht verzichtbar sind, überlegt die Stadt Bramsche, das Haus zu übernehmen.

____________________________________________________________________________

Quelle: Melanie Zanin

Der Waldorfkindergarten im Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu seinem Pflegeheim - ein Gewinn für beide Seiten.

____________________________________________________________________________

Quelle: iStock / liquidfog

Vor 10 Jahren wurde das Elterngeld eingeführt, das auch Vätern ermöglichen soll, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Zeit für die Familie, ist Vätern wichtig. Die Mehrzahl aller Väter hat jedoch immer noch Angst vor dem Karriereknick.

____________________________________________________________________________

Um den Betrieb als Integrations-Tagesstätte beibehalten zu können, braucht der Waldorfkindergarten in Unterschleißheim bei München einen neuen Therapieraum. Die Stadt hat die Planungen mit Blick auf die avisierten Baukosten nun vorerst gekippt.

____________________________________________________________________________

Quelle: T. Posavec

Tabitha Freeman untersucht seit drei Jahrzehnten, wie sich unkonventionelle Familienformen auf das Kindeswohl auswirken. Ihr Fazit: Es kommt nicht so sehr auf die Struktur und die Zusammensetzung einer Familie, viel wichtiger ist die Qualität der Beziehung zwischen Kindern und Eltern.

____________________________________________________________________________

Quelle: T. Posavec

Eine Leserumfrage der Zeit beschäftigte sich mit der Frage, wie viel bezahlte Hilfe berufstätige Eltern in Anspruch nehmen. Die meisten Eltern hätten lieber mehr Zeit, die Dinge selbst zu erledigen.

____________________________________________________________________________

Quelle: fotolia / Allari

 Eine schwedische Studie hat ergeben, dass Akupunktur Schreikinder entlastet und ihre tägliche Schreizeit signifikant verkürzt.

____________________________________________________________________________

Quelle: T. Posavec

Ordnung als Ressource bei Dauerstress durch Doppelbelastung – oder: Aufräumen mit Domino-Effekt. Anke Schipp über die Vereinbarkeit von Aufräumen und Familienalltag.

____________________________________________________________________________

Quelle: fotolia / Rido

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist generell nicht einfach, doch ist das Kind häufig krank, tun sich zuweilen Abgründe auf. Matthias Kaufmann über Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern mit Kindern.

____________________________________________________________________________

Eine Elterninitiative in Schrobenhausen versucht dem drohenden Mangel an Kindergartenplätzen entgegenzuwirken – mit der Gründung eines Waldorfkindergartens.

____________________________________________________________________________

Donata Elschenbroich, Quelle: Verlag Antje Kunstmann

„Viele Spielsachen geben zu viel vor. Ich bin ein Fan von amorphem Material, also von Dingen, die sich während des Spiels auch verändern lassen, Stöcke zum Beispiel, oder Pappkartons. Kinder können damit selber Spielideen entwickeln, die keinen Vorgaben folgen müssen.“ Die Pädagogin Donata Elschenbroich im Interview.

____________________________________________________________________________

Quelle: T. Posavec

Bildungsministerin Johanna Wanka beschließt den Digital-Pakt – Waldorfschulen fordern einen Analog-Pakt. Franz Glaw, Vorstand vom Bund der Freien Waldorfschulen im Gespräch.

____________________________________________________________________________

Die Helmut von Kügelgen-Schule in Fellbach erinnert anlässlich des 100. Geburtstag ihres Namensgebers am 14. Dezember 2016 im Interview mit Waltraut Maier, die zum Gründungskreis der Schule gehört, an den Pionier der Waldorfpädagogik im Nachkriegsdeutschland.

____________________________________________________________________________

Helmut von Kügelgen

Weggefährte Peter Lang über seine Begegnung mit Helmut von Kügelgen, Gründer der Vereinigung der Waldorfkindergärten, der im Dezember 2016 100 Jahre alt geworden wäre.

____________________________________________________________________________

Quelle: T. Posavec

In Deutschland gibt es etwa 30 muslimische Kindertagesstätten. Was unterscheidet sie von anderen Kindertagesstätten? Nicht viel, meint Michael Hollenbach.

____________________________________________________________________________

 

BUCHTIPP

Leitwölfe sein

Jesper Juul über Führung in Familien. Wo bitte geht’s lang?

Führung ist für die Regulation und Selbstregulation sozialer Systeme und ihrer Mitglieder wichtig. Kindern – darüber sind sich Experten einig – brauchen Führung. Wie aber kann sie heute, in einer Zeit, in der die Idee individueller Entwicklung und Entfaltung die traditionellen Rollenmuster abgelöst hat, in Familien und Institutionen gelingen? Jesper Juul schärft mit seinem Buch erneut den Blick für die Möglichkeiten der Gegenwart: Wir leben in einer Gesellschaft, die uns die größtmögliche Freiheit bietet, unsere Potenziale zu entfalten – das gelingt jedoch nur, wenn wir bereit sind, die volle Verantwortung für unsere eigene Entwicklung und die unserer Kinder zu übernehmen, auch die Verantwortung für unsere Fehler.

Beltz Verlag,  Weinheim, Basel