Kindsein wagen - die Verantwortung liegt bei uns! Symposium am 19.11.2016 in Hannover, Congress Centrum

Helmut von Kügelgen
Helmut von Kügelgen

1969 hat Helmut von Kügelgen gemeinsam mit Clara Hattermann und anderen erfahrenen Pädagogen in Hannover die Internationale Vereinigung der Waldorfkindergärten gegründet. Anlass war die damals zu beobachtende Tendenz der Intellektualisierung der frühkindlichen Pädagogik, die sich beispielsweise in dem Herabsetzen des Einschulungsalters ausdrückte. Hier, so der Wille der Gründer, muss sich die Waldorfkindergartenbewegung zusammenschließen, um das Recht auf Kindheit zu verteidigen.

Die Tendenz, die Kinder zum kleinen Erwachsenen machen zu wollen, ist in der Bildungspolitik immer noch vorhanden. Nachzulesen ist dies beispielsweise in Bildungsplänen und -empfehlungen der Länder. Nun verschärft der Umgang mit digitalen Medien das Problem erheblich, indem Kinder immer früher mit ihnen in Berührung kommen sollen. Digitale Spielereien geben der kindlichen Phantasie nichts zu tun. Sie sind passiv, unterwürfig und gehorsam. Die Kinder werden eben nicht medienkompetent, wenn sie möglichst früh das Tablet oder das Smartphone bedienen lernen. Wir verstellen den Heranwachsenden damit Räume, die sie zum Erlernen von Kulturfähigkeiten unmittelbar benötigen. Wir reißen die Kinder aus ihrer Zeit, wenn wir ihnen keine Gelegenheit geben sich mit der sinnlichen Welt im Spiel zu verbinden. Auf diese Weise verlieren sie den Anschluss an ihre evolutionäre Entwicklung. Wir dürfen die Unschuld des kindlichen, freien Spiels nicht korrumpieren. Das Kind droht hineingezwungen zu werden in die Vorstellungswelt Erwachsener – mit fatalen Folgen.

Achten wir wirklich auf die Kinder, absichtslos, können sie uns umgekehrt belehren, den Boden des sinnlich Erfahrbaren, der kreativen Gestaltungsmöglichkeiten und der realitätsbezogenen Lebenspraktischen nicht zu verlieren. Auch hier gilt: Aus dem Unscheinbaren entsteht das Entscheidende. Wir müssen die Reihenfolge beachten: Medienkompetenz kommt nach der freien Auseinandersetzung der Kinder mit der sinnlichen Welt. Das Erlernen von Kulturfähigkeiten, insbesondere im Freien Spiel der Kinder, schafft erst die Voraussetzung für das Erlernen eines kompetenten Umgangs mit digitalen Möglichkeiten. 

 

In diesem Kontext und aus Anlass des 100. Geburtstages von Helmut von Kügelgen in diesem Jahr veranstaltet die Vereinigung der Waldorfkindergärten am Samstag, den 19.11.2016 im Congress Centrum in Hannover das Symposium „Recht auf Kindheit – die Verantwortung liegt bei uns!“.

Wir freuen uns sehr, dass Johannes Stüttgen, Meisterschüler von Joseph Beuys, Dr. Michaela Glöckler, Kinderärztin und eine der fünf Töchter Helmut von Kügelgens, sowie Bestseller-Autor und Psychiater Prof. Dr. Manfred Spitzer neben vielen weiteren Gästen an dem Tag teilnehmen und zu uns sprechen werden.

 

Johannes Stüttgen

Nach einem Festakt ab 11:00 Uhr wird Johannes Stüttgen um 14:00 Uhr über „Das Kind, was geboren werden will“ sprechen: „Die Soziale Plastik ist eine zukünftige Gesellschaftsform auf der Grundlage der Selbstbestimmung, die nur in jedem einzelnen Menschen entstehen kann. Das Kind kommt nur auf die Erde wegen der Sozialen Plastik.“, so Johannes Stüttgen.

 

 

Dr. Michaela Glöckler

Frau Dr. Michaela Glöckler wird um 16:00 Uhr anschließend über „Bedingungen für eine gesunde Kindheit“ sprechen: „Mit der Frage leben:  wie muss ich mich verhalten, damit das Kind mich sinnvollerweise nachahmen kann? ‚Ich möchte, dass Du du selber wirst‘ – so könnte die begleitende Fürbitte für eine gesunde Kindheit lauten.“

Prof. Dr. Spitzer

Herr Prof. Dr. Spitzer wird um 18:30 Uhr einen Vortrag halten mit dem Thema „Digitale Kindergärten? – Warum digitale Medien im Kindergartenalter besonders schaden.“ Im Anschluss an den Vortrag findet ein Podiumsgespräch statt mit den genannten Referentinnen und Referenten sowie Dr. Wolfgang Saßmannshausen (Erziehungswissenschaftler, Gründer des Rudolf Steiner Berufskollegs Dortmund). Die Moderation des Tages wird Herr Markus Brock übernehmen.

 

 

Weitere Informationen zum Ablauf des Symposiums sowie RESTKARTEN erhalten Sie hier.

Michael Wetenkamp

 

 

 

Kompetenz gegenüber Medien – ein Interview mit Paula Bleckmann

Paula Bleckmann

Die Medienpädagogin Paula Bleckmann von der Alanus Hochschule ist Expertin für Mediensuchtprävention. Mit dem von ihr geprägten Begriff der Medienmündigkeit präzisiert sie, was landläufig als „Medienkompetenz“ nur sehr ungenau umschrieben wird. Ihre Erkenntnisse hat die Professorin im sogenannten „Medienmündigkeitsturm“ zusammengefasst. Dieser gibt darüber Auskunft, welche Fähigkeiten Kinder und Jugendliche in welchem Alter entwickelt haben sollten, um gegenüber Medien – Hörbücher, Bildschirmmedien, Smart Phones – kompetent sein und bleiben zu können. Es geht also darum, sogenannte Vorläuferfähigkeiten, die Voraussetzung für einen gesunden Umgang mit Medien sind, zu benennen – was häufig bedeutet, diese für Eltern und Erzieher zuallererst wahrnehmbar und nachvollziehbar zu machen

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VERANSTALTUNGSHINWEISE

 

Hänsel und Gretel auf Tournee

Eurythmie-Theaterstück Hänsel und Gretel

Der Masterstudiengang Bühneneurythmie/Alanus Hochschule ist vom 02. – 13.12.2016 mit einer Neuinszenierung des Grimm’schen Märchens Hänsel und Gretel auf Tournee. Regisseur Rob Barendsma lässt die Geschichte auf der Grundlage der Vertonung von E. Humperdinck als Eurythmie-Theaterstück mit Musik, Tanz und Gesang wieder aufleben. 

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Winterwerkstatttage

VOM DUNKEL ERLEUCHTET – Was ist Licht, was Finsternis? Vom 27. bis 31.12.2016 finden unter dem Motto „Vom Dunkel erleuchtet“ die Winterwerkstatttage Alfter in den Räumen der Alanus Hochschule, Johannishof, statt. Licht und Finsternis werden in den verschiedenen künstlerischen Kursen – von der Malerei über Bildhauerei, Holzschnitt und Malerei bis Stimme und Körper – neu formuliert.

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Dreikönigswerkstatt

Susann Meister-Duddeck

für Kinder: Susann Meister-Duddeck lädt Kinder ab 6 Jahren in die Dreikönigswerkstatt ein, die vom 02. – 06.01. 2017 in den Ateliers der Alanus Hochschule stattfinden wird. Die Kinder werden malen, plastizieren, filzen, schnitzen, singen, lauschen, spielen und in der Natur sein – fröhlich und friedlich.

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KOLUMNE

Fourty something

„Ich bin alltagsreif. Absolut und total alltagsreif. Morgens um halb neun stehe ich auf dem Balkon meiner Wohnung und beneide die dynamischen Radler mit den windschnittigen Helmen da unten auf der Fahrt in ihre Büros. Sicher sind die auf dem Weg, irgendwelche sauwichtigen, hochkreativen, innovativen und teamorientierten Entscheidungen in aufregenden Jobs zu treffen."

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PRESSESPIEGEL

Prof. Jost Schieren

Jost Schieren, Professor für Pädagogik an der Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn, im Gespräch mit der Erziehungskunst über seinen Werdegang und Anthroposophie heute: „Die Anthroposophie hat in den Lebensfeldern keinen Selbstwert, sondern einen Anwendungswert. Wenn die Anthroposophie dazu dient, gute Pädagogik zu machen, dann hat sie einen echten Wert.“

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Erzieherin mit Kindern im Wald

Der Beruf der Erzieherin gilt als anstrengend, unterbezahlt und prekär. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung hat nun gezeigt, dass dies ein Vorurteil ist. Erzieherinnen seien weitaus zufriedener mit ihrer beruflichen Situation als vergleichbare Berufsgruppen.

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Jurte

Der Waldorfkindergarten Avalon in Stuttgart-Degerloch möchte expandieren und mietet ein Gelände neben Luftbad-Verein und Abenteuerspielplatz an: Die Kinder sollen hier zukünftig in mobilen Jurten untergebracht werden.

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Freies Spielen

Lasst die Kinder spielen! Reizüberflutung drosselt die Lust am Spiel, der durchorganisierte Alltag tut ein Übriges: In den vergangenen 20 Jahren hat die Zeit zum freien Spiel um etwa ein Drittel abgenommen. Wer nicht selbstbestimmt spielen darf, hat es später schwer beim Lernen, sagt die Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm.

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Nachtbetreuung

Die Diskussionen um die 24-Stunden-Kita sind nicht laut aber anhaltend. In den USA ist die wissenschaftliche Dokumentation eines pädagogischen Experiments wieder aufgetaucht, das Aufschluss über Sinn und Widersinn der Nachtbetreuung geben kann.

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Kleiner Junge mit traurigem Blick

„Vor zehn Jahren gründete der Waldorfpädagoge Bernd Ruf eine besondere Form von Notfallpädagogik, die seither in zahlreichen Krisengebieten aktiv geworden ist. Ronald Richter sprach mit ihm für das Oktoberheft von Info3 über die Folgen eines Traumas und die unselige Verquickung von Opfersein und Täterschaft.“

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Schneckenhaus

„Kinder-Garten im Kindergarten“ so heißt ein bundesweites Projekt, an dem derzeit etwa 200 Kindergärten beteiligt sind, so auch der Waldorfkindergarten Wahlwies. Das Projekt wurde als Vorzeigeprojekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.

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Auf nach Frankreich! Viele Abiturienten wollen nicht sofort nach dem Abitur mit einer Ausbildung oder einem Studium beginnen. Lotta Köhlken reiste mit den Freunden der Erziehungskunst für ein FSJ nach Frankreich, um im Waldorfkindergarten von Chatou bei Paris Erfahrungen zu sammeln. Die NWZ veröffentlicht regelmäßig ihre Post aus Frankreich. 

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Einer Erhebung der Kaufmännischen Krankenkasse zufolge engagieren sich immer mehr Väter in der Krankenpflege ihrer Kinder. 19 Prozent des Lohnersatzes wegen Pflege des erkrankten Nachwuchses gehen mittlerweile an Männer.

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Das OVG Koblenz hat entschieden, dass die Stadt Mainz die Kosten für den Besuch zweier Kinder im Waldorfkindergarten Mainz übernehmen muss, denen sie wegen fehlender Kapazitäten keinen Kindergartenplatz zur Verfügung stellen konnte.

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Erzählstunde

Erzählst Du mir von früher, Mama? Die Bildung des autobiografischen Gedächtnisses hängt vom Gesprächsstil der Eltern ab. Der gemeinsame Tagesrückblick, so Forscher, sei wichtig für die Stärkung der Erinnerungsfähigkeit.

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Wir sind zu äußersten Maßnahmen bereit! Wir haben beschlossen, selber viele Babys zu bekommen!“ Die Theatergruppe RambaZamba protestiert gegen die neue Regelung der Krankenkassen, die künftig die Kosten für einen Bluttest zur Früherkennung des Down-Syndroms bezahlen wollen.

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Immer dieser Michel? Die Diagnose AD(H)S hat sich in den vergangenen Jahren einem Bericht der AOK zufolge verdoppelt. Diagnose und Therapie sind jedoch umstritten.

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VERMISCHTES

Waldorfpädagogik aktuell

Prof. Jost Schieren

Eine außerwissenschaftliche Erziehungslehre könne nicht Bestandteil von Hochschulbildung sein, befand der Wissenschaftsrat 2011. Pädagogikprofessor Jost Schieren von der Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn nahm die Kritik der Kommission zum Anlass, die Waldorfpädagogik auf ihren Stand in der Wissenschaftslandschaft zu befragen. Herausgekommen ist ein 1016 Seiten starkes Kompendium, das das Konzept Waldorfpädagogik in einen Zusammenhang mit dem aktuellen Forschungsstand in den erziehungswissenschaftlichen Kerndisziplinen – Erkenntnistheorie, Anthropologie, Entwicklungspsychologie, Lerntheorie, Didaktik u.a.m. – rückt.

 

Jost Schieren (Hrsg.): Handbuch Waldorfpädagogik und Erziehungswissenschaft. Standortbestimmung und Entwicklungsperspektiven. Weinheim, Basel: Juventa 2016.

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Die kleinste Familie der Welt

Bernadette Conrad

Die Journalistin Bernadette Conrad, Mutter eines Kindes und alleinerziehend, schrieb kürzlich in der ZEIT:  "Alleinerziehendenglück ist ganz wesentlich Beziehungsglück; es hängt mit der Solidarität der Mitmenschen zusammen und von dieser ab. Und zuallererst mal von ihrer Offenheit, sich für dieses endlos anstrengende und endlos spannende Universum nebenan zu interessieren."

Einige Geschichten und Lebensentwürfe von Alleinerziehenden versammelt ihr in diesem Jahr erschienenes Buch „Die kleinste Familie der Welt“. Hierfür hat sie Mütter, Väter und Kinder, die aus den unterschiedlichsten Gründen im Mikrokosmos Kleinstfamilie gelandet sind, über einen längeren Zeitraum begleitet. Unverwechselbar mutig, kreativ und zielstrebig sind die hier gezeichneten Lebensgemeinschaften von Eltern und Kind – und jede ist die Keimzelle für ein einzigartiges Familienuniversum.

 

Bernadette Conrad: Die kleinste Familie der Welt. Vom spannenden Leben allein mit Kind. Btb 2016