Newsletter Dezember 2021

Was brauchen Kinder zur Weihnachtszeit?

Im Kindergarten ist eine große Unruhe! Die Kinder mit ihren feinen Wahrnehmungen spüren, dass eine besondere Zeit begonnen hat. Mit dem Adventsgärtlein und dem ersten Licht auf dem Adventskranz passieren ungewöhnliche Dinge in der gewohnten Umgebung. Die Erwachsenen sind sehr geschäftig, und auch im Kindergarten sind die Tage ausgefüllt mit Kerzenziehen, Sternebasteln, Plätzchenbacken. Alles schöne Dinge, aber manchmal auch zu viel des Guten!

Und dazu noch die anhaltende Coronasituation. Die Erwachsenen sind erschöpft, missmutig, und in manchen Familien überschattet die Existenzangst die Vorfreude auf das Fest und das neue Jahr.
In den Kindern macht sich eine auf uns wirkende nervöse Stimmung breit. Was soll das bedeuten?
In der weiteren Umgebung: Weihnachtsmärkte, Riesenrad, vielleicht der erste Schnee ...
Und das alles zu dem meist ohnehin vollen und oft aufregenden Tages- und Wochenlauf, den die Kinder haben!
Wann darf Alltag sein?
Wie entsteht Wochenendstimmung, wie gelingt es, Weihnachtsfeiertage zu leben? Was könnte im Voraus hilfreich sein?
Viele Eltern berichten, dass sie immer erst drei bis vier Tage brauchen, bis das Kind beziehungsweise die Kinder in den Familien zur Ruhe kommen und zusammenfinden. Diese drei bis vier Tage sind für alle anstrengend und häufig mit viel Streit verbunden.  Die Erwartungen an dieses Fest als Höhepunkt des Jahres sind hoch!

Können wir aus den Kindergärten heraus Anregungen geben?
Welchen Rat oder welche Tipps gibt es für Omas und Opas …? Wie verzichte ich darauf, meine Liebe zum Kind im Materiellen zu äußern?

Kinder brauchen zur Weihnachtszeit nichts anderes als das, was sie sonst brauchen. Sie brauchen die Aufmerksamkeit und Zuwendung der Erwachsenen. Sie brauchen ihre Zeit und Echtheit im Miteinander. Das heißt vor allem: Hinwendung. Sie wollen die innere Beteiligung der Erwachsenen spüren, damit sie in sich hineinspüren und zu sich kommen können. Advent heißt ankommen. Die Kinder sind mit uns, mit Maria und Josef auf dem Weg. Dann gelingt auch die Hinwendung zum Stern, der uns nach Weihnachten ins Zukünftige führt.

Dagmar Scharfenberg und Beate Wohlgemuth

Bericht der IASWECE

Ich bin nun seit einem Jahr in das IASWECE Council gewählt und blicke zurück auf zwei Tagungen (Frühjahr und Herbst 2021), die durch die Pandemie nur online stattfinden konnten. Diese Treffen sind, da die Mitglieder über alle Zeitzonen verteilt wohnen, nur in einem Zeitfenster von zwei Stunden möglich, für uns Mitteleuropäer gegen Mittag.  Sich in ein neues Gremium per ZOOM einzuarbeiten, ist eine besondere Herausforderung. Ich wurde herzlich aufgenommen, und selbst durch das Medium war eine so ausgeprägte Empathie der Teilnehmer*innen untereinander spürbar, dass ich mich sehr darauf freue, die Menschen von Angesicht zu Angesicht kennenzulernen.
Einige Schwerpunkte der gemeinsamen Arbeit möchte ich in diesem Bericht gesondert erwähnen.

Zukunft
Die Welt befindet sich im Wandel. Wir spüren Umbrüche und Neuanfänge auch in unserer Vereinigung, und in der Internationalen Bewegung beschäftigt uns die Frage nach dem, was die Zukunft von uns fordert. Wir haben uns in Kleingruppenarbeit damit auseinandergesetzt, wie dieses Gremium in der Zukunft arbeiten wird. Was braucht die Pädagogik weltweit von uns, wo sind die Quellen, die Herausforderungen, wo liegt unser Beitrag?
Ist es für die ökologische Situation der Erde gerechtfertigt, wenn so viele Menschen zu einem gemeinsamen Tagungsort reisen und das Flugzeug nutzen müssen (wenn das wieder möglich ist)? Geht es auch anders? Die Überlegungen dazu werden ausgewertet und bei der nächsten Konferenz April 2022 weiterbearbeitet.

Diversität
Die wichtige Arbeit am Thema Vielfalt und Diversität war Schwerpunkt der vergangenen Konferenzen und wurde von Teilnehmer:innen aus verschiedenen Kontinenten vorbereitet.  Waldorfpädagogik hat eine starke Verbreitung in Ländern mit kolonialer Vergangenheit gefunden und ist immer noch – trotz intensiver langer Bemühungen – oft sehr europäisch, deutsch und weiß geprägt. Rudolf Steiner selber war es so wichtig, dass die Pädagogik an das angebunden ist, was am entsprechenden Ort und zur aktuellen Zeit lebt (man denke nur an Heimatkunde der 4. Klassen). Es gibt sehr ernsthafte Bemühungen, in den Volksmärchen der entsprechenden Kulturen geeignete Geschichten zu finden, Bilder, die zur Gestaltung von Festen in den jeweiligen Kulturen dienen, Lieder, Verse und vieles mehr. Das reicht aber nicht, und es wird davon berichtet, dass sich europäisch-stämmige Familien sofort zu Hause fühlen, wenn sie beispielsweise einen Neuseeländischen Kindergarten betreten, während sich Maori fremd fühlen, weil sie in der Begegnung mit anderen Menschen eine ganz andere Haltung haben als beispielweise unser herzlich-offenes Aufeinander-zugehen und Begrüßen.
Wir haben bei der Bearbeitung dieses Themas auch Geschichten aus verschiedenen Kulturen (Neuseeland, Südafrika, Indien) erarbeitet, in ihnen Bilder gesucht, die für anthroposophische Wahrheiten stehen. Durch die sehr interessanten Beiträge aus diesen Ländern wurde ein Blick auf die Ursprünge der Kulturen geworfen.
Neben der Frage, wie Waldorfpädagogik in den verschiedenen Kulturen gelebt werden könnte, haben wir auch in einer gemeinsamen Übung sehr drastisch erfahren, wie verschieden die Perspektive auf die Welt und – damit verbunden – das Lebensgefühl in verschiedenen Teilen der Welt ist:
Wir sind an eine „normale“ Weltkarte gewöhnt, wie sie beispielsweise den Einband von Schulatlanten schmückt. Wir merken gar nicht, dass auf vielen dieser Karten der Äquator nach unten, Richtung Süden verschoben ist. Antarktis fällt dann weg, Europa ist noch zentraler und verhältnismäßig größer abgebildet, als es flächenmäßig gegenüber der restlichen Welt richtig wäre. Oft werden beispielsweise in der Werbung oder auf Homepages Karten verwendet, auf denen etwa Neuseeland fehlt, seltener auch Madagaskar oder Großbritannien. Ganz anders sieht die Weltkarte aus, wenn man sie „down under“ betrachtet, also Australien und Neuseeland in den Mittelpunkt rückt: Europa ist auf einmal winzig an den Rand gedrängt, das Auge sucht sofort nach Orientierung und findet das eigene Land nicht!
In diesem Gremium kommen Menschen zusammen, die alle an Diversität interessiert und um gegenseitige Achtung und Wahrnehmung bemüht sind. Wir wollen Randgruppen selbstverständlich in den Blick nehmen. Es ist eine erschreckende Erfahrung, dass man das Fehlen eines Landes trotz Weltoffenheit und Interesse nicht bemerkt! Was macht es mit den Menschen, nicht sichtbar zu sein? Welche Qualität fehlt uns in der Welt dadurch, dass manche Gruppen der Menschheit nicht sichtbar sind?
Was fehlte der Menschheit, wenn die Qualitäten derer, die nicht sichtbar sind, fehlen?

Zum Haushalt der IASWECE
Durch die Einschränkungen der Reisetätigkeit wurden viele Kosten eingespart, aber viel Aufbauarbeit ist auch zum Stilstand gekommen (kein Mentoring, keine Kurse). Wir hoffen, bald mit intensivierter Kraft wieder beginnen zu können.
Ein Teil des Überschusses wurde jetzt in die Rücklage gestellt, um Coronafolgeschäden auffangen zu können.  Ein Nothilfefond auch für andere Klima- oder Kriegskatastrophen ist nun möglich.
Durch die Beiträge der Länder (und Deutschland trägt einen besonders großen Teil der Gesamtbeiträge) und ein enormes Spendenvolumen können Initiativen und Ausbildung in vielen Ländern auf allen Erdteilen unterstützt werden.
Oliver Langscheid wurde als Vorstand wiedergewählt.
Eine Ausbildertagung ist für das nächste Frühjahr geplant, wenn auch wieder ein Präsenztreffen stattfinden soll. Man möchte sich nicht online treffen. Aber noch können nicht wieder alle Menschen aus allen Ländern reisen.

Sigrid Jackstadt

Einladung zur Pfingsttagung 2022 - 04. bis 07.06. 2022 in Hannover

Von der träumenden Seele und dem schlafenden Geist des Kindes
Der Zauber des Erwachens – die Kunst des Erweckens

Was brauchen die Kinder, um zukunftsfähig zu werden in einer Zeit, die mehr und mehr die Lebenskräfte und natürlichen Entwicklungsräume beschränkt? Ein vertiefendes Verständnis für die Bedürfnisse, die Ich-Entwicklung und Willenserziehung stehen vor dem Hintergrund des 11. Vortrags der Allgemeinen Menschenkunde von Rudolf Steiner im Mittelpunkt unserer Tagung. Dabei möchten wir den Bogen spannen vom Kleinkind bis zum Schulkind und besonders das Lebensalter des vier- bis fünfjährigen Kindes sowie den Übergang zur Schulfähigkeit in den Fokus setzen.  Als Vortragsredner freuen wir uns auf Philipp Reubke (Pädagogische Sektion, Goetheanum), Dr. Georg Soldner (Medizinische Sektion, Goetheanum) und Alexander Morawitz (Musiker und Pädagoge/ Dresden). Seminaristische und künstlerische Kurse, Begegnungsforen als „Hotspots unterm Sonnenschirm“ und besondere musikalische, eurythmische und kreative Abendveranstaltungen runden unser Programm ab. Wir laden Sie herzlich ein!

Aufgrund der positiven Resonanz auf das Online-Format der Tagung im letzten Jahr bieten wir auch dieses Mal die Möglichkeit, die Vorträge digital verfolgen zu können.  Wir freuen uns dabei besonders über interessierte Teilnehmende aus der ganzen Welt! Aber der Besuch der Tagung in Präsenz auf dem wunderbaren Gelände der Freien Waldorfschule am Maschsee soll ebenfalls wieder möglich werden.
Das Tagungsprogramm 2022 können Sie unter www.pfingsttagung.info herunterladen oder ausdrucken. Hier können Sie sich ab dem 01.02.2022 anmelden.
ACHTUNG: Die Teilnehmerzahl für die Präsenzveranstaltung ist begrenzt! Ob Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Schulgelände möglich sind, können wir erst unmittelbar vor der Tagung  bekanntgeben.

Die Zusammenarbeit mit dem Berufsverband der Eurythmisten mit dem Schwerpunkt der Kindergarteneurythmie setzen wir mit interessanten neuen Kursangeboten fort, um die fachliche Begegnung zwischen Kindergarteneurythmist:innen und Erzieher:innen anzuregen.
Besonders einladen möchten wir außerdem Tagespflegepersonen und Eltern-Kind-Gruppenleitungen. Sie können zu ermäßigten Konditionen an der Tagung teilnehmen. Unser Anliegen ist es, die Menschen in ihrer für die Familien wertvollen Arbeit zu unterstützen und eine Möglichkeit der Vernetzung herzustellen.

Wir freuen uns darauf, Sie in Hannover zu begrüßen!

Im Namen des Kollegiums des Arbeitskreises Pfingsttagung und in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Sektion am Goetheanum
grüßen herzlich

Dagmar Scharfenberg und Philipp Reubke

 

Pressespiegel

  • CO2ero - Klimaneutrale Waldorfschulen :  Auch diesen Monat gibt es wieder einen bunten Strauß von Berichten, Veranstaltungstipps und Empfehlungen. Viel Freude bei der Lektüre des Dezember-Newsletters von CO2ero, den ihr hier lesen und herunterladen könnt: Weiter
  • 14.12.2022: Trauer um Dirk Randoll. Der Erziehungswissenschaftler Dirk Randoll ist am 8. Dezember 2021 im Alter von 64 Jahren gestorben. Der Wissenschaftler, der vor allem durch seine empirischen Forschungen zur Waldorfpädagogik bekannt wurde, war zuletzt Hochschullehrer an der Alanus Hochschule in Alfter/Bonn. Weiter
  • 13.12.2022: Klettern. Spielen. Toben. Die Kinder im Waldorfkindergarten Schloss Hamborn haben neue Spielgeräte in Besitz genommen und für gut befunden. Möglich wurde die Umgestaltung des Außengeländes durch Spenden sowie die Mithilfe von Eltern. Weiter
  • 13.12.2022: Mehr Kita-Plätze. Grünes Licht für den Waldorfkindergarten in Degersen/Hannover. „Ein benachbarter Gartenbaubetrieb hatte Nachteile durch strengere Lärmauflagen befürchtet – doch das Problem ist nun ausgeräumt.“ Weiter
  • 01.12.2022: Brand im Kindergarten. In Aalen/Baden-Württemberg gab es Anfang Dezember einen Brand in einem Waldorfkindergarten. Für 40 Kinder musste schnell eine neue Bleibe gefunden werden. Aufgrund seiner Holzkonstruktion wurde das frisch renovierte Gebäude stark beschädigt. Weiter
  • 19.10.2022: Notfallpädagog:innen auf La Palma. Nach dem Ausbruch des Vulkans Cumbre Vieja haben viele Familie auf La Palma ihr Zuhause verloren. Ein Team der Freunde der Erziehungskunst pädagogische Notfallhilfe geleistet. Im Zuge dessen ist ein kleiner Film entstanden, der eine Inspirationsquelle für trübe Tage sein kann. Weiter

Tipps

  • Omas Rezepte
    Indisches Curry, Marillenknödel, Chicken Pie: Die Website grandmasproject.org sammelt Kurzfilme von backenden, kochenden Großmüttern aus aller Welt. Zum Mitleben und Selbermachen. Mitten aus Omas Küche. Denn da schmeckt es immer am besten. Weiter