Wege in den Waldorfkindergarten
Ist ein Platz in der Kindertageseinrichtung endlich gefunden, beginnt die Zeit der Eingewöhnung. Sie bietet für alle Beteiligten – Kind, Eltern und Pädagog:innen - Herausforderungen. Es ist wichtig, Kinder in dieser Phase mit Zeit und Geduld zu begleiten. Nicht nur die neue Umgebung und die anderen Kinder werden kennen gelernt, sondern es gilt Beziehung zu den pädagogischen Fachkräften aufzubauen, bei denen es von nun an viele Stunden verbringen wird. Dass dein Kind sich bei ihnen im Alltag wohlfühlt und sich in allen Gefühlslagen und mit seinen Bedürfnissen an sie wenden kann ist nicht nur für die ersten Wochen wichtig, sondern die gesamte Kindergartenzeit.
Wie Eltern diese Zeit mit ihren Kindern erlebten, könnt Ihr aus den kleinen Berichten und Statements entnehmen, die uns Eltern aus verschiedenen Kindertageseinrichtungen zur Verfügung gestellt haben.
Mit viel Geduld, Wärme und Einfühlungsvermögen habt ihr es geschafft, unserem Kind Sicherheit und Vertrauen zu geben und uns als Eltern ein sehr gutes Gefühl zu vermitteln.
Unsere Eingewöhnung unter den Baumkronen
Der Wechsel von der Krippe in den Kindergarten ist für ein Kind eine große Änderung. Dank der achtsamen Begleitung in unserem Waldkindergarten durften wir diesen Übergang als eine Zeit voller Vertrauen und Ruhe erleben. Schon vor den Sommerferien durfte unsere Tochter gemeinsam mit ihrer vertrauten Erzieherin aus der Krippe dreimal „schnuppern“. Dieser kleine Vorlauf schuf die Brücke, die den Start im August so viel harmonischer machte. In den ersten Tagen der zweiwöchigen Eingewöhnung war ich als Mutter ihr sicherer Hafen. Wir saßen gemeinsam am Außentisch, malten, spielten mit dem Puppenhaus und nahmen an den gemeinsamen Mahlzeiten teil. Diese Zeit des gemeinsamen Verweilens gab ihr die nötige Sicherheit und Geborgenheit, um erst einmal in der neuen Umgebung anzukommen. Nach und nach löste sie sich von meiner Seite. Zuerst beobachtete sie die anderen Kinder noch aus der Ferne, während ich im Hintergrund blieb. Doch schon bald fand sie Anschluss bei zwei Mädchen, und ihre Erkundungsreife wuchs – sie verschwand immer öfter aus meinem Sichtfeld, um ganz in ihr Spiel einzutauchen. Ein besonders berührender Moment war der Tag, an dem sie sich ganz selbstverständlich von mir verabschiedete: „Tschüss Mama!“. Sie gab mir einen Kuss und verschwand voller Vorfreude mit den anderen Kindern im Wald. Für uns ein wunderbares Zeichen: sie war angekommen.
Besonders wohltuend empfanden wir die reizarme Umgebung des Waldes. Ohne die akustische Enge von Innenräumen und in der Geborgenheit einer kleinen Gruppe konnte unsere Tochter sichtlich entspannen. Nach der ersten Woche, in der ich durchgehend präsent war, konnte ich mich immer mehr zurückziehen. Unsere Tochter fand ihren eigenen Weg und ihr eigenes Tempo. Die zwei Wochen waren nicht nur für mein Kind, sondern auch für mich als Mutter eine bereichernde Erfahrung. Ich durfte den Tagesrhythmus und die Rituale hautnah miterleben, den achtsamen Umgang der Erzieherinnen mit den Kindern beobachten, und sehen, wie die Kinder als Gemeinschaft im Wald zusammenwachsen. Wir sind dankbar für diese behutsame Zeit, die es ihr ermöglicht hat, die Wurzeln für ihre neue Kindergartenzeit tief und fest zu schlagen.
Margret Vonholt
Geborgen und gut aufgehoben – Emils Eingewöhnung
Vor dem Start der Eingewöhnung war es für mich kaum vorstellbar mein Kind in fremde Hände zu übergeben. Während der Eingewöhnung habe ich immer mehr an Sicherheit gewonnen, dass dies der richtige Ort für mein Kind ist. Die Eingewöhnung ist in genau dem Tempo und der Behutsamkeit abgelaufen, wie mein Kind, aber auch ich, es gebraucht haben. Durch die umfangreiche Teilhabe im Alltagsgeschehen konnte ich eine gute Vorstellung über den Tagesablauf, die Routinen, Rituale und Umgangsweisen bekommen. Es hat sich nach einer sicheren und geborgenen Umgebung angefühlt, in der die Erwachsenen achtsam und wertschätzend mit den Kindern umgehen. Die individuellen Bedürfnisse der Kinder wurden aufmerksam erkannt und einfühlsam ins Geschehen integriert. Diese Einblicke und Erfahrungen haben es mir ermöglicht mein Kind vertrauensvoll in die Hände der ErzieherInnen zu übergeben.
Hamida und Florian mit Emil
Behutsam ankommen – so begleiten wir die Eingewöhnung
Für die Eingewöhnung der Kinder in den Krippenbereich nehmen wir uns in unserem Kindergarten besonders viel Zeit und gestalten diese maßgeblich als behutsamen interaktiven Prozess zwischen pädagogischen Fachkräften, Eltern und Kind. Da die Eingewöhnung sowohl für Kind als auch Eltern einen neuen Lebensabschnitt mit großer Veränderung darstellt, legen wir viel Wert auf eine dichte und enge Zusammenarbeit und jederzeit offene Kommunikation mit den Eltern um Vertrauen und Sicherheit für Kind und Eltern als Basis einer bindungsorientierten pädagogischen Arbeit herzustellen.
Christopher Hellmich – pädagogische Leitung Hildesheim-Himmelsthür
Informationen zur Pädagogik in Waldorfkindertageseinrichtungen findest du hier.
Waldorfpädagogische Aspekte
Finde hier mehr zur Waldorfpädagogik in der frühen Kindheit und wie sie Waldorfkindergärten zu einmaligen Orten für Kinder macht.
Anthroposophie
Entdecke die Anthroposophie und ihr Grundverständnis – eine ganzheitliche Lebensphilosophie nach Rudolf Steiner.